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Medienkrise und Öffentlichkeit

on30. April 2014

Kürzlich fand unter dem Titel „Abbruch, Umbruch, Aufbruch“ die Jahreskonferenz der inzwischen 40 Jahre alten Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM) statt: Raum für eine Standortbestimmung?

Der Einleitungstext der Konferenz beginnt mit dem Satz: „The media landscapes in Switzerland and other Western democracies are rapidly changing.“

Sinngemäss mit diesem Satz beginne auch ich seit vielen, vielen Jahren meine (wenigen) Analysen zur Medienlandschaft: Unumgänglich? Ein Mantra zur Beschwörung der Nützlichkeit solcher Analysen? 

Die weiteren Sätze dieser Konferenzeinladung halten den – inzwischen - kaum bestrittenen Konsens der Gilde fest:

„As traditional media are confronted with new providers, platforms, products and usage modes, resources available to news organizations are shrinking. Audiences and advertising have shifted to parts of the web that have little to do with journalism, like search engines or social networks. As a consequence, news organizations are forced to cut costs. Newspapers are particularly affected by these changes, leading to repeated buyouts and even newspaper closures."

Allenfalls beim letzten Satz könnte ich Fragezeichen setzen: „This so-called media crisis offers both a chance and a challenge.“

Ist es sinnvoll, diesen Sachverhalt als „Medienkrise“ zu bezeichnen? Und falls ja, stellt dies tatsächlich eine Chance und eine Herausforderung dar? Für wen eigentlich? Die Forscher? Die Medienunternehmen?  Oder sind das einfach nur Hohlphrasen?
Jeder - sagen wir einmal – „gesellschaftliche“ Wandel hat strukturelle Folgen für die vom Wandel betroffenen Wirtschaftssektoren. Etablierte Produkte werden durch neue verdrängt, Unternehmen verschwinden, neue entstehen.

In dem hier angesprochenen Wandel ist die ökonomische Seite und damit die „Krise“ der traditionellen Medienprodukte nur ein Aspekt. Den „Medien“ wird gerne eine „gesamtgesellschaftliche“ Bedeutung zugesprochen, welche diese Branche, oder zumindest Teile davon – von anderen Wirtschaftsbereichen abhebt. Letzteres unter der Annahme, dass die Medien oft und gerne als „vierte Gewalt“ im Staate, als ein wichtiges Element der gesellschaftlichen Kohäsion gesehen werden.

Wenn die (traditionellen) "Medien“ tatsächlich diese Funktion haben, dann stellt sich die Frage, inwiefern der Medienwandel allenfalls zu einem (Mit-)Auslöser gesellschaftlicher Veränderungen wird. Veränderungen, welche vielleicht nicht im Interesse einer „Mehrheit“ der Bevölkerung, des Staates stehen. Oder zumindest dem "Souverän" bewusst zur Debatte gestellt werden müssten.

Damit soll hier das Dossier "Öffentlichkeit" eröffnet werden.

 

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